Back To Experience

Team Black Diamond unterwegs in Wales

Tuesday, Juli 11, 2017
Die Klippen der Steilküste von Wales sind nichts für schwache Nerven. Ein Trip nach Pembroke beschehrte den Black Diamond-Athleten Babsi Zangerl, Jacopo Larcher und Roland Hemetzberger einen „Crashkurs“ in walisischem Trad-Klettern. Lektion eins? Auf die Gezeiten achten. Das Team lernte schnell und während eines Schönwetterfensters schnappten sie sich ihre Ausrüstung und legten eine schöne Begehung eines Klassikers mit langem Runout hin. Auf der grasbedeckten Ebene am Gipfel erzählt uns Jakobo von allen weiteren Routen, die noch folgen sollten.

Manchmal sind spontane Unternehmungen die besten, und der letzte Trip des Black Diamond-Teams nach Wales stellte keine Ausnahme dar.

Babsi und ich sahen uns Bilder beeindruckender Meeresklippen an, die zu einem berühmten Trad-Klettergebiet in Südwales gehören. Der Fels sah so toll und so anders aus als alle anderen Klettergebiete, die wir bisher besucht hatten, dass wir beschlossen, dort hinzufahren.

Roland an der Chupacabra (E8 6c) in Huntsman Leap, Pembroke;
Foto: Paulo Sartori

Also taten wir uns mit Roland und Lara zusammen, die motiviert waren, uns auf einen zweiwöchigen Trip nach Wales zu begleiten.

Am 22. Juni flogen wir nach Cardiff. Wir kauften einen Kletterführer, mieteten uns in einer Ferienwohnung ein und fuhren sofort zur Küste von Pembroke. Typisch englisches Wetter nahm uns in Empfang: Wind und Nieselregen. Aber wir waren dennoch motiviert, einige Klassiker zu versuchen. Unsere Motivation allein brachte uns jedoch nicht ans Ziel. An einer Schranke wurde wir von einem Polizisten aufgehalten. Anscheinend befindet sich ein Grossteil der Klippen auf einem Militärgebiet, welches wir nicht betreten durften, weil Schiessübungen stattfanden. Die Schiessübungen sollten gegen 16.30 Uhr vorbei und wir konnten in der Zwischenzeit zu einer nahegelegenen Klippe weiterziehen, um uns mit dem Fels vertraut zu machen und zu warten, bis die Schranke wieder geöffnet wurde.

Die Steilküstenerfahrung

Das Klettern an einer Steilküste war für uns alle neu. Zuerst muss man sich abseilen, um an den Start einer Route zu gelangen. Das kann sich schwierig gestalten, da die Klippen oben ganz flach und grasbewachsen sind, und Bohrhaken gibt es auch keine. Aber die Waliser hatten einige Pfosten im Boden versenkt, die als Sicherungsstationen dienten.

Die Szenerie war zwar sehr schön, aber die Routen und der Fels hinterliessen nur einen mittelmässigen Eindruck. Nach ein paar Seillängen brachen wir auf, um Tee zu trinken und auf die Öffnung der Schranke zu warten. Einige Stunden später wurde das Gebiet endlich freigegeben und wir marschierten zu den bekannten Sektoren. Normalerweise kann man bei einem Zustieg den Fels schon von weitem betrachten. Den Fels einer Steilküste sieht man jedoch erst, wenn man oben am Rand steht und hinunter blickt.

Roland klettert die Big Issue (E9 6c) in Bosherston Head, Pembroke;
Foto: Jacopo Larcher

Wir marschierten irgendwo über die Wiesen, als wir plötzlich zu einer riesigen Schlucht kamen. Wir grinsten wie Kinder in einem Bonbonladen. Der Fels sah fantastisch aus und ganz anders als die Klippen, an denen wir zuvor geklettert waren. Unsere Motivation kehrte zurück. Wir studierten den glatten, schwarzen Fels, dessen Chalkspuren verschiedene Routen markierten. Wir gingen noch etwa 100 Meter weiter, wo sich eine zweite Schlucht auftat, die sogar noch besser aussah! Das Gestein schien ein wenig anders als in der ersten Schlucht. Hier handelte es sich um wellenförmigen, orangefarbenen Sandstein, mit riesigen Löchern. Der Fels sah wie ein erstklassiges Sportklettergebiet aus – nur ohne Bohrhaken.

Jacopo beim Aufwärmen an der Test Case (E3 5c) in St. Govan's Head;
Foto: Paulo Sartori

 

 

 

Abgesehen von einigen einfacheren Routen am Ende der Schlucht war der Start der meisten Routen gerade von der Flut bedeckt. Das war also Lektion 2 – wenn du klettern willst, musst du die Gezeiten kennen. Militär, Wetter, Gezeiten, Sicherungen.

Aber wir konnten es nicht abwarten und kletterten einfach ein paar Routen, die uns gefielen im Toprope. Das Klettern war so genial, dass wir den Fels erst am Ende des Tages und mit grossen Grinsern im Gesicht verliessen. Jeder von uns hatte ein Projekt gefunden und freute sich auf die nächsten Tage.

An den folgenden Tagen kämpften wir alle mit verschiedenen Routen, den Gezeiten und dem immer wiederkehrenden Nieselregen. Aber alle konnten ihre Projekte abhaken und schwerere suchen. Die ursprüngliche Idee, zwei Wochen lang einfache Routen zu klettern, wurde schnell über den Haufen geworfen.

Wir wollten jedoch noch andere Felsen besuchen und entschlossen uns nach ein paar Tagen, Pembroke zu verlassen und Richtung Norden zu fahren.

Ziel waren die Felsen rund um Tremadog und die dortigen historischen Routen wie Strawberries, aber das Wetter war während unseres gesamten Aufenthalts schlecht. Also rasteten wir viel, besuchten eine lokale Kletterhalle (Bacon Climbing Center) und luden unsere Akkus für den letzten Teil unserer Reise auf. Wir wollten unbedingt noch einmal nach Pembroke und ein paar Routen versuchen, die wir uns vor dem Aufbruch angesehen hatten.

 

 

Lauter tolle Begehungen – Babsi klettert E10

Es regnete während der gesamten Fahrt, aber als wir in Pembroke ankamen, hörte es auf. Wir waren nach den Ruhetagen und der ganzen Fahrerei ziemlich aufgekratzt und kletterten bis zum Einbruch der Dunkelheit.

Babsi an der Muy Caliente (E10 6c) in Pembroke;
Image: Paulo Sartori

 

Es regnete während der gesamten Fahrt, aber als wir in Pembroke ankamen, hörte es auf. Wir waren nach den Ruhetagen und der ganzen Fahrerei ziemlich aufgekratzt und kletterten bis zum EiAuch die nächsten Tage waren wir sehr beschäftigt. Roland stieg wieder in sein Projekt Big Issue (E9 6c) ein, eine der besten Routen der ganzen Reise. Sie befindet sich an einer riesigen, überhängenden Wand, die über das Meer hinausragt und auf den ersten Blick vollkommen glatt wirkt. Es gibt jedoch gerade genug Griffe, um daran klettern und Sicherungen legen zu können. Ein Geschenk der Natur. bruch der Dunkelheit.

Nach ein paar Tagen gelang ihm eine echt spektakuläre Begehung der Route, wobei er fast noch am Ausstieg runtergefallen wäre.

Lara legte einige der längsten Stürze der Reise hin und konnte eine sehr beeindruckende Begehung von Chupacabra (E8/E9 6c) mit nach Hause nehmen, einer der berühmtesten Routen dieses Klettergebiets. Es war spannend, ihre Herangehensweise während der gesamten Reise zu beobachten, da sie die einzige im Team war, die noch nie Trad-Routen geklettert hatte. Diese Trad-Route war ihre zweitschwerste Route überhaupt. Ziemlich beeindruckend, oder?

Babsi gelangen wie immer einige beeindruckende Begehungen. Besonders stolz war sie auf ihre Wiederholung von Tim Emmett’s Muy Caliente (E10 6c). In dieser Route würde ein Fehler am Ende der Schlüsselstelle wahrscheinlich zu einem Sturz auf den Boden führen. Ich war extrem angespannt beim Sichern. Anschliessend konnte sie die fabelhafte Big Issue (E9 6c) für sich verbuchen.

Ich habe die ersten 10 Tage der Reise immer wieder überlegt, ob ich versuchen sollte, Muy Caliente zu flashen. Aber nach langem Zögern entschied ich mich dagegen. Nach Babsis Begehung kletterte ich die Route zwei Mal im Toprope und konnte sie beim dritten Mal durchsteigen. Ich habe mich dabei verstiegen und machte den Runout dadurch (ungewollt) noch „würziger“. Die letzten Tage verbrachte ich damit, verschiedene andere Routen zu projektieren, darunter auch ein Durchstieg der Fünf-Sterne-Route Big Issue.

—Jacopo Larcher

 

***

 

Ticklist:

Babsi:

Chupacabra (E8/9 6c)

Do You Know Where Your Children Are? (E8 6c)
Point Blank (E8 6c)
 - ground up flash
Muy Caliente (E10 6c)

Big Issue (E9 6c)

Roland:

Point Blank (E8 6c)
Chupacabra (E8-9 6c)
Big Issue (E9 6c)

Lara:

Point Blank (E8 6c)
Chupacabra (E8/9 6c)

Jacopo:

Chupacabra (E8/9 6c)

Do You Know Where Your Children Are (E8 6c)
Point Blank (E8 6c) – ground up flash
Muy Caliente (E10 6c)
Big Issue (E9 6c)

Featured Gear

Comments