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Hazel Findlay: Erste freie Begehung von Tainted Love, 5.13d (8b), einem echten Trad-Testpiece in Squamish, Kanada

Monday, April 16, 2018
Black Diamond-Athletin Hazel Findlay ist für ihr grosses Trad-Talent bekannt, ganz gleich, ob sie eine freie Begehung des El Cap hinlegt oder an bröseligen Seeklippen mit spärlichen Sicherungsmöglichkeiten unterwegs ist. Als sie letzten Sommer nach Squamish kam, hatte ein britischer Landsmann und Freund bereits genau die richtige Route für sie ausgespäht. Hoch oben am Chief wartete schon seit langer Zeit eine ausgesetzte und zudem anspruchsvolle Verschneidung, die nur spärlich mit ein paar Micro Stoppern gesichert werden kann, auf eine freie Begehung. Hier könnt Ihr Hazel bei der ersten freien Begehung von Tainted Love, 5.13d (8b), begleiten.
Video: Jonny Baker; Edit: Kipp Schorr

Als ich in Squamish ankam, hatte ich gar nicht geplant, eine harte Trad-Route frei zu klettern. Eigentlich wollte ich nur möglichst viele Seillängen sammeln. Aber wie immer folgte ich meinem Gefühl und als mir mein Freund Neil erzählte, dass sich dort oben am Chief noch eine attraktive, noch nicht frei begangene Verschneidung befand, konnte ich nicht widerstehen. Als wir uns in die Route abseilten, wusste ich gleich, dass das meine Traumverschneidung war. 

Foto: Jonny Baker

 

Unglaublich harte und technische Züge, für die man sich beim „normalen“ Klettern nicht vorbereiten kann. Nur eine Handvoll Griffe entlang der gesamten Seillänge, ein Handklemmer und ein paar Fingerklemmer. Aufwärts geht es ausschliesslich mit Drücken und Schieben. Extremes Stemmen mit den Beinen und Drücken mit den Händen. Selbst wenn es einfach wäre, Sicherungen unterzubringen, würde sich die Fortbewegung in diesen heiklen Positionen extrem schwierig anfühlen. Leider kann die Route fast nur mit Micro Stoppern abgesichert werden (so könnt Ihr Euch vorstellen, wie eng der Riss da oben ist). Einige Leute, mit denen ich mich unterhalten habe, rieten mir, ein oder zwei Bohrhaken zu setzen, um sicherzustellen, dass wenigstens ein paar Leute die Route wiederholen würden. Ich bin nicht wirklich gegen Bohrhaken in Trad-Routen, aber der „Brit“ in mir suchte die grössere Herausforderung ohne Bohrhaken. Ich wollte die Linie als Trad-Route unberührt lassen und wer nur die körperliche Herausforderung sucht, kann sie einfach topropen.

Am Tag meines Durchstiegsversuchs gab ich mir eine 30%ige Erfolgschance. Es war unglaublich heiss, es gab Waldbrände in der Gegend und keine erfrischende Brise. Trotz der schlechten Bedingungen erinnerte ich mich daran, dass bei einem „Durchstieg“ die tatsächlichen Variablen und Einschränkungen mentaler Natur sind und sich zwischen Deinen Ohren befinden. Wie gewohnt kletterte Neil die Seillänge bedacht und cool im Toprope, meinte aber, dass er für einen Vorstieg noch nicht bereit sei.

Mein Kletterstil bei der Begehung war alles andere als „gut“. Ich brachte alles durcheinander, was ich mir erarbeitet hatte, vergass alles, was ich mir hätte merken sollen, aber dennoch gelang es mir irgendwie, einige magische Tricks aus meinem Repertoire zu zaubern und mich Stück für Stück nach oben zu arbeiten.

Es war eine grossartige Erfahrung, diese Route zu klettern. Ein Grund bestand darin, dass die mentale und physische Herausforderung perfekt zu meinen Fähigkeiten passte. In diesem Raum entsteht Magie und mir gelangen Dinge, die ich nicht für möglich gehalten hatte. Es war einfach umwerfend – Neil war dabei, um mich zu sichern und hatte mir noch mehr als ich mir selbst gewünscht, diese Route zu klettern. Diese grossartige Unterstützung und Begeisterung am anderen Seilende bedeutet mir sehr viel. Vielen Dank auch an Jonny Baker, der diese Begehung gefilmt hat.

--Hazel Findlay


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