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Will Gadd Unleashed

Tuesday, Januar 16, 2018
Vor ungefähr zwanzig Jahren gewann ich die X-Games mit einem Prototypen-Set der BD Cobras. Sie sahen anders aus, ziemlich radikal, mit lauter Kurven in einer Zeit des gradlinigen Denkens. Gerertigt aus unausprechlich teurem Carbon, schien es, als wären sie aus der Zukunft in unsere Hände katapultiert worden, oder von einem geheimen Militärflugzeug gefallen.

Alle waren davon überzeugt, dass sie auseinanderbrechen würden, da die Köpfe lediglich geklebt wurden. Auch das Zusammenkleben von Carbon und Stahl konnte doch unmöglich funktionieren. Ich habe diese Geräte immer noch. Zusammen sind wir tausende Seillängen im Eis geklettert, von den Fjorden Norwegens bis zur Wildnis Kanadas. Wir haben den Eis-Weltcup 2000 gewonnen, haben Haken in alpine Routen geschlagen, überstanden Beziehungen, Fahrzeuge und eine Million Schwünge in Eis, Dreck, Fels und sogar Feuerholz (kein Witz, ich habe damit eines Nachts im Ghost Feuerholz geschlagen). Der Klebstoff hat gehalten. Ich wusste er würde es tun.

Fotos: Christian Pondella

Für meine feste Überzeugung gab es einen Grund:  Ich hatte den damaligen BD Quality Manager Chris Harmston dabei beobachtet, wie er sich die Cobras geschnappt hatte und mit aller Wucht auf eine Bordsteinkante einschlug. Diese Art von Produkttest war mehr Mord als Todschlag – es kamen Zementstücke geflogen, Carbonsplitter sprangen, wilde Raserei killte planmäßig den Glanz in unser aller Augen. Aber die Verbindung hielt, auch wenn das Teil nur wenig mehr umfasste als Carbonstränge, die durch den kalten Wind fuhren. Seitdem hat sich die Testabteilung von BD deutlich weiter entwickelt. Dennoch herrscht noch immer der gleiche Geist: so hart zu testen, dass die  Ausrüstung in der Schlacht bestehen kann, und nicht nur im Labor; und außerdem die Entwickler und Athleten als Testpiloten einzusetzen.

Seit über 25 Jahren teste und entwickle ich Produkte für BD. Als ich ein Kind war haben mir meine Eltern neues Spielzeug gekauft, zum Beispiel einen neuen Wagen und logischerweise probierte ich aus, wie weit ich damit springen konnte. Es war unvermeidbar, dass der Wagen kaputt ging, und ich unglücklich da stand. Meine Aufgabe bei BD ist es, sowohl zukunftsweisende Ausrüstung einzufordern, als auch neue Produkte bis zum Limit zu testen. Beides betreibe ich leidenschaftlich. Manchmal fällt das Testen spannender aus als erwartet. Ich erinnere mich an eine Speed-Solo-Begehung an New Hampshire`s Black Dike - die letzte Etappa nach Cathedral, Frankenstein und Cannon. Es lief super, mir gefiel der Prototyp, nennen wir sie mal „Tuna“-Steigeisen. Scharf, superleicht, und effektiv wie ein Wurfmesser an den Füßen. Auf einmal funktionierte einer der Frontalzacken nicht mehr. Als mein Fuß das erste mal abrutschte, dachte ich noch, ich hätte ihn schlecht gesetzt, und versuchte es erneut. Ich rutschte wieder. Dann schaute ich auf die Frontalzacken und alles sah normal aus. Aber wenn ich ins Eis stieß, ging er nicht hinein. Es stellte sich heraus, dass ein zu testendes Plastikteil gebrochen war und der Frontalzacken nach unten wegklappte, wenn ich kickte. Es hat sich spannend angefühlt bei Freesolo und rund 120 Meter über dem Boden. Die Steigeisen hatten 50 Seillängen hinter sich und haben 49 davon gut gehalten. Es ist BD hoch anzurechnen, dass sie mich nicht gefeuert haben, als ich von dem Versagen mit dem Nachdruck einer herabdonnernden Streitaxt berichtete. Sie haben es natürlich begriffen. Warum? Weil das BD Team in erster Linie eines ist - Kletterer. Und das ist so gewesen seit meinem allerersten Tag dort, vor 25 Jahren. Sie wissen, dass Klettern nicht Golf ist,  auch wenn für beie Sportrten Carbonausrüstung verwendet wird.

Klettern ist nicht nur ein Sport, es ist auch keine Lebenseinstellung. Wenn ich sage „ich bin Kletterer“, dann ist das die Definition dessen, was ich bin. Es definiert meine Freiheit, mich in der Vertikalen zu bewegen und bezeichnet die Verpflichtung, die ich eingehe, etwas Bedeutsames zu tun, das schwierig und real ist, blutig und extrem. Aber es ist auch die himmelschreiende Freude durchzuhalten, wenn Aufgeben so viel leichter wäre. Die Tennisschläger oder Kayaks, die ich vor 25 Jahren benutzt habe, bewahre ich nicht auf, aber die Beziehung zwischen Kletter-Ausrüstung und Kletterern reicht tiefer. Ich behalte diese Cobras zum Andenken daran, was ich mit ihnen erlebt habe: Haken, die ich geschlagen habe, Routen, die ich hinauf geflucht und hinab verflucht habe, Routen, die das beste in mir und meinen Partnern hervorbrachten, gewonnene und verlorene Wettkämpfe, sowie Freunde, die geblieben sind und die ich verlor.

 

Noch heute schreibe ich regelmäßig übertriebene E-Mails an das BD Ingenieursteam. Der neue Head of Climbing Design, Kolin Powick, ein guter Freund und langjähriger Kletterer, antwortet oft mit „Beschissen.“ Er sagt das nicht, weil es wirklich beschissen ist, sondern weil er versteht, dass ich und jeder andere etwas zukunftsweisendes will, und zwar jetzt. Heutzutage gibt es mehr großartige und futuristische Kletter-Ausrüstung in der Kletter-Prototypen-Pipeline bei BD als ich je gesehen habe. Die Leute werden es lieben. Ein beeindruckendes beispiel bester Ingenierusarbeit. Geräte, die ich versucht habe zu zerstören, es mir aber nicht gelang. Ich werde es weiterhin versuchen, wenn ich im Winter auf resien gehe und dabei meinen Traum lebe - von China nach Grönland, immer auf der Suche nach neuen Linien, neuen Abenteuern und Produktideen. Die letzten 30 Jahre Klettern kann ich nur als Traum bezeichnen, alles andere wäre untertrieben. Ich habe Glück und das weiss ich zu schätzen. Von den Wettkampf-Siegen bis hin zu verlornen freunden, es war ein großer und wilder Trip. Ich danke BD für die Ausrüstung und dafür, den traum leben zu können.   Wenn ich jetzt nur endlich diese Carbonschrauben bekommen könnte...

--Will Gadd, September 18, 2017


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