Black Diamond-Athlet Antte Lauhamaa: The Arctic Journey

 


 

Im Bruchteil einer Sekunde realisierte ich, dass ich gleich nach den ersten Schwüngen einen Fehler gemacht hatte. Ich war mit zu vielen Skifahrern auf diesem Hang unterwegs. Ich hatte mich daran erinnert, die Schneeverwehung auf der rechten Seite zu vermeiden, aber nun war es zu spät und ich sah, wie sich um mich herum Risse in der Schneedecke bildeten und diese ins Rutschen kam, begleitet von einer weißen Wolke. Sofort im Autopilot-Modus unterwegs, steuerte ich nach links, weg vom abgleitenden Hang.

Nach wenigen Sekunden war alles vorbei und ich schrie nach unten, wo Juho etwa 100 Meter weiter auf uns wartete, um ihn zu warnen. Der Hang war sehr klein aber es wurmte mich, ein unnötiges Risiko eingegangen zu sein. Wir hätten einen größeren Fehlerspielraum einrechnen müssen, da wir zu weit von der Zivilisation entfernt waren, um uns gravierende Fehler leisten zu können.

Wir hatten unser Camp an einem See 500 Meter weiter unten aufgeschlagen. Die Abfahrt von unserem Standort aus führte uns direkt zum Camp, und als wir uns dem Camp näherten, startete auch schon das Heulkonzert. 24 Alaskan Huskies feierten unsere Rückkehr mit ihrem charakteristischen Gesang, wie es schon ihre Vorfahren seit Tausenden von Jahren getan hatten. Vermutlich handelt es sich um ein Ritual zur Zusammenkunft des gesamten Rudels. 

Auf Entdeckungsreise in der schwedischen Arktis

 

Fotos: Mikko Lampinen

Es begann mit der Idee, zwei klassische Fortbewegungsarten in arktischen Gebieten miteinander zu vereinen. Wenn es möglich ist, mit dem Helikopter in abgeschiedene Skigebiete zu fliegen, wäre die Reise mit einem Hundeschlitten eine echte Alternative zur Nutzung solcher Maschinerie. Nordschweden war die naheliegendste Wahl als Reiseziel, denn in den Bergen nördlich des Polarkreises würden wir das Beste dieser beiden Welten vorfinden und miteinander verbinden können. Aufgrund von regionalen Bestimmungen beschlossen wir schliesslich, mit unseren Hunden zum Kebnekaise-Massiv zu fahren. Die 100 km lange Strecke könnten wir in relativ kurzer Zeit überwinden und in unberührtem Gelände skifahren.

Juho Ylipiessa ist ein Langstrecken-Musher und Wildnisführer im finnischen Lappland. Juho entdeckte im Jahr 2005 seine Begeisterung für Hundeschlitten und nahm im Laufe der Jahre an verschiedenen Langstreckenrennen im Yukon in Alaska und in ganz Skandinavien teil. Mikko Lampinen ist Fotograf und Skifahrer mit über 20 Jahren Erfahrung, die er auf herausfordernden Skitouren und Expeditionen an abgelegenen Orten wie Spitzbergen sammelte. Jaakko Posti ist Profifotograf und -kameramann, der für sein Talent bekannt ist, bei jeder Bedingung schöne Fotos aufnehmen zu können. Meine Fähigkeit ist das Skifahren, welches ich nun schon seit über 20 Jahren in den Bergen Skandinaviens betreibe.

Die Schlittenhunde umfassten ein Rudel von 24 extrem zähen, nach Eishockey- und Fussballspielern benannten Huskies. Einige von ihnen hatten schon an Wettkämpfen wie dem legendären Iditarod teilgenommen, welches über mehr als 1850 km durch Alaska führt. Das waren also keine Schosshündchen.  

 

Nach zwei Tagen kamen wir an unserem Zielort Reaiddájávri an. Es ist ein nicht zu unterschätzendes Unterfangen, vier Kerle plus 24 Hunden mit Schlitten, Ausrüstung und Lebensmitteln an einen abgeschiedenen Ort zu bringen. Die letzten 10 Kilometer führten durch tiefen Neuschnee, der nach einem vorausgegangenen Schneesturm liegen geblieben war, und schliesslich schlugen wir auf einer Hochebene unser Camp auf. Bei den Anstiegen war es notwendig vom Schlitten springen und zu schieben, um den Hunden zu helfen. Aber sobald sich die Schlitten wieder in Bewegung gesetzt hatten, konnten wir kaum mithalten. Hunde kümmern sich nicht darum, wie schnell Menschen zu Fuß unterwegs sind, daher mussten wir uns während der steileren Passagen am Schlitten festhalten und einfach mitrennen.

Schliesslich erreichten wir bei 1056 Metern den höchsten Punkt unseres Weges. Wir stoppten und bewunderten andächtig die szenische Landschaft. Egal wohin wir schauten, überall zogen sich Rinnen von den Bergen herab und das Skipotential war umwerfend. Wir hatten das Gefühl, in Bezug auf das Gelände die Hauptausstellung im Rinnenmuseum von Nordskandinavien zu besuchen.

 

Jedoch war uns allen klar, dass wir extrem herausfordernde Bedingungen vorfinden würden. Ich hatte mich vorab regelmässig über die örtlichen Lawinenbedingungen informiert und mit lokalen Experten gesprochen; daher wussten wir, was auf uns zukam. Eine labile und unberechenbare Schneeschicht verursachte grose Probleme. Einige Tage zuvor hatte es in der Gegend sogar einen tödlichen Unfall gegeben, sodass sich der Anblick dieses faszinierenden Geländes wie Sirenengesang anfühlte.

Westliche Winde hatten in die Hänge geblasen und die Schneedecke wies unmissverständliche Zeichen der Instabilität auf, daher waren wir besonders vorsichtig. Der erste Tag verunsicherte uns, also waren ein paar weitere, einfache Tage nötig, bevor wir uns in die steileren Hänge wagen würden.

Es lohnte sich zu warten und am dritten Tag absolvierten wir zunächst eine einfache, aber tolle Tour rund um das Ceakcabákti Massiv und anschliessend noch eine 500 Höhenmeter tiefe Abfahrt durch ein Couloir. Der Umgang mit dem unsicheren Schnee kostete uns viel Zeit hinsichtlich Planung und Heraussuchen von möglichst sicheren Locations. Dieser erfolgreiche Tag in den Bergen bescherte uns daher mit einem Glücksmoment, als wir nach Sonnenuntergang in unser Basecamp zurückkehrten. Als wir in die Nähe unseres Camps und in den Genuss des Begrüssungschors unseres Rudels kamen, war der Tag perfekt.

Diese Art von Freude kommt auf, wenn Du feststellst, dass das Glück auf Deiner Seite war und Deine Bemühungen sich gelohnt haben. Denn es war keine leichte Aufgabe gewesen, diese Art von Team in das arktische Hochland zu befördern, ohne einem ausgetretenen Pfad zu folgen. Wir waren als Team zusammengewachsen, als wir unseren Weg durch den knietiefen Schnee bahnten und wussten, dass der Aufstieg zum Plateau noch ein paar Stunden andauern würde. Das Aufstellen der Zelte und die Versorgung des Teams und der Hunde in der Dunkelheit nach einem langen Tag erforderte die Mitarbeit von uns allen.
Ich habe schon immer die grossen Abenteuer vergangener Zeiten wie Nansens Expeditionen in die Arktis bewundert. Die fast unmenschlichen Leistungen, die er und seine Crew vollbrachten, wurden nicht nur durch den schieren Willen, sondern auch durch die hervorragende Zusammenarbeit seiner Crew ermöglicht. Unsere Expedition war im Vergleich dazu ein einfaches Unterfangen. Dennoch war es ein Beweis, dass eine gemeinsame Reise mit einem grossartigen Team ein tolles Abenteuer ausmacht. Übrigens ist das der Stoff, aus dem Fussball- und Eishockeystars gemacht sind.

 

--Antte Lauhamaa