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Exum Files – Teil 2: Hilfreiche Skitechniken mit Guide und Weltmeisterin Jessica Baker

Monday, Dezember 11, 2017
Um im Gelände effizient, ästhetisch und sicher fahren zu können, ist Erfahrung erforderlich. Daher haben wir uns an Jessica Baker gewendet. Die ehemalige Weltmeisterin im Freeskiing und Lead Exum Guide erläutert einige hilfreiche Techniken, um unser Fahrkönnen zu verbessern. Baker ist mit dem Skifahren aufgewachsen und ihr umfassendes Wissen wird deutlich, wenn sie die grundlegenden Techniken für saubere Schwünge in Teil 2 der Exum Files erklärt.

In Teil 2 der Exum Files unterhalten wir uns mit Lead Exum Guide Jessica Baker, ehemaliger North American und World Tour Freeskiing Champion, die inzwischen als Intermountain West PSIA Examiner/Trainer tätig ist. Jessica hat den Grossteil ihres Lebens auf Skiern verbracht und gelernt, das stets im Wandel befindliche Medium Schnee zu lesen und zu verstehen. Nun wird sie uns dabei helfen, die richtigen Techniken umzusetzen, sodass wir uns im unberührten Gelände besser zurechtfinden.

Images: David Stubbs

 

F&A:

Was können Neulinge und erfahrene Freerider tun, um ihren Fahrstil zu verbessern? 

Ganz gleich, ob Du neu dabei bist oder schon Erfahrung besitzt – durch die Fähigkeit, Schneebedingungen zu lesen, kannst und wirst Du Deine Fahrtechnik an die jeweiligen Bedingungen anpassen. Wenn Du zum Beispiel knietief in perfektem Pulver unterwegs bist, kannst Du Dich darauf verlassen, dass Du auf dem Schnee gleitest und einen sehr leichten, schnellen und flüssigen, vielleicht sogar unvollständigen Turn fahren kannst, um diese Bedingung voll auszunutzen. Das ist der einfache Teil. Betrachten wir das Ganze also von der anderen Seite. Wenn Du zeitweilig über Bruchharsch fährst, dann weisst Du, dass du deine Kantenwinkel verringern und den Druck gleichmässig und gleichzeitig auf beide Ski verteilen musst, ohne ruckartige oder übertriebene Bewegungen zu machen.

Damit Du nicht durch die Kruste brichst?

Richtig. Bei hartem, über Nacht gefrorenem Schnee im Frühling oder bei windverdichtetem Schnee musst Du wiederum mehr Druck auf den Ski bringen, und zwar über die gesamte Länge, stärker aufkanten und die Schwünge präziser ausfahren, um Deine Geschwindigkeit auf der harten Oberfläche zu kontrollieren.

Wir denken häufig, dass es beim Skifahren vor allem um eine gute Balance geht, aber das ist nur ein Teil des Ganzen. Warum?

Balance ist die Grundlage. Aber das allein macht noch keinen guten Skifahrer aus. Ohne die anderen technischen Elemente beim Skifahren wirst Du nicht besonders weit kommen. Wenn du Balance als zentralen Punkt der Fahrtechnik betrachtest, besteht das Gesamtbild aus der Fähigkeit, die Ski zu drehen, zu beschleunigen, abzubremsen, den Druck auf die Ski zu variieren und die Ski in verschiedenem Gelände und Bedingungen zu kontrollieren.

Was sind die drei wichtigsten Elemente, die zum Steuern des Skis erforderlich sind?

Bei der Steuerung handelt es sich im Prinzip um eine symbiotische Kombination aus Drehbewegung, Druckkontrolle und Kantenkontrolle.

  • Drehung des Unterkörpers: Das Zusammenspiel von Muskulatur und Fuss-, Knie- und Hüftgelenken, um eine Drehbewegung in die oder aus der Richtung Deines Schwunges zu erzeugen.
  • Druckkontrolle: Die Fähigkeit, beim Fahren eines Schwungs bewusst mehr oder weniger Druck auf den Ski auszuüben, ist der Schlüssel zur richtigen Kontrolle über den Ski. Der durchschnittliche Skifahrer übt am Schwungende meistens zu viel Druck aus. Das wirkt sich auf die Vielseitigkeit aus, die Form oder die Geschwindigkeit der Schwünge zu variieren, vor allem in steilem oder engem Gelände. Druckkontrolle entsteht vor allem durch die Streckung und Beugung Deiner Fuss-, Knie- und Hüftgelenke und durch die Druckrichtung (talwärts, seitwärts, usw.).
  • Kantendruck und -freigabe: Die Fähigkeit, den Ski zu steuern hängt ausserdem stark davon ab, was Du mit den Kanten des Ski machst. Du kannst beispielsweise einen neuen Schwung nur einleiten, indem Du den Ski bzw. die Kanten am Schwungende freigibst. Genauso musst Du bei der Schwungeinleitung aufkanten, um den Schwung ausfahren zu können, ohne wegzurutschen oder viel weiter unten am Hang anzukommen, als ursprünglich geplant.

 

 

Wie kann die Kenntnis mechanischer Nuancen beim Aufkanten, bei der Verlagerung des Körperschwerpunkts und der Druckverteilung dabei helfen, den technischen Fahrstil zu verbessern?

Ein fortgeschrittener Skifahrer kann diese Elemente bewusst einsetzen, um sich den Schneebedingungen und dem Gelände optimal anzupassen. Ganz ehrlich, es erfordert einfach viel Zeit und Erfahrung, um dieses Gespür zu entwickeln, welche Kombination jeweils die beste ist. Aber das Wissen um diese Nuancen kann Dir dabei helfen, dich anzupassen, wenn die Bedingungen und das Gelände dies erfordern.

Wie können Skifahrer dieses Wissen anwenden und mit den mentalen Herausforderungen beim Fahren von technischem oder riskantem Gelände kombinieren?

Wenn Du eine enge, steile Rinne abfährst, die Deine vollständige Aufmerksamkeit erfordert, und Du Deine Technik im Griff hast, kannst Du Dich besser auf deine mentalen und taktischen Aufgaben konzentrieren. Du weisst, dass Du engere Schwünge fahren musst, dass das Timing Deiner Bewegungen genauer und schneller sein muss, um diesen Korridor optimal fahren zu können. Du musst die Ski weiter vorne und früher im Schwung belasten und danach den Druck am Schwungende schneller aufheben, um den nächsten Schwung einleiten zu können. Deine Kanten müssen helfen, den Schwungradius zu bestimmen, den Bewegungsablauf beizubehalten und sowohl die Richtungsänderung als auch die Geschwindigkeitskontrolle zu unterstützen.

Wenn ich all das automatisiert habe, kann ich mich auf den mentalen Aspekt konzentrieren. Ich arbeite mich souverän durch jeden Schwung, navigiere durch meine Bewegungsabläufe und scanne die Bedingungen auf dem Weg nach unten und bleibe konzentriert, ohne Angst und Zweifel.

Auf welche Weise beeinflusst variierendes Gelände, was Du tust?

Während bestimmte grundlegende Techniken einen guten Fahrstil ausmachen, ganz gleich in welchem Gelände, gibt es einige besondere technische Feinheiten, die für verschiedene Gelände- und Schneebedingungen erforderlich sind.

Kannst Du uns einige Beispiele geben?

Wenn Du einen breiten, offenen Hang unter 35 Grad abfährst, hast Du viel mehr Spielraum um Schwünge zu fahren, anzupassen und verändern – sei es der Radius, die Geschwindigkeit und den Stil Deiner Schwünge. Bei steileren Hängen über 35 Grad musst Du die Schwünge enger fahren und dich schneller den Geländebeschaffenheiten anpassen können.

Wie sieht es mit Rinnen oder Scharten aus?

Der Bewegungsablauf beschleunigt sich, um engere Schwünge fahren zu können. Der Radius ist enger, das Auf- und Umkanten muss schneller variiert werden – das gesamte Timing ist schneller, um den nächsten Schwung fahren zu können. Wenn Du beispielsweise am Schwungende zu viel Druck aufgebaut hast, ist es viel schwerer, den nächsten Schwung einzuleiten, und möglicherweise gar nicht mehr möglich.

Skifahren im Wald?

Im Wald fährst Du durch eine Reihe wechselnder, enger Korridore, die Du ständig neu bewerten musst. Du suchst Dir kontinuierlich neue Fenster und achtest weniger auf die Bäume. Du musst die Geschwindigkeit und das Timing Deiner Bewegungen je nach Länge und Breite der auftauchenden Korridore anpassen. Oft spielst Du mit dem Kantenwinkel oder arbeitest mit dem Unterkörper, um eine stärkere Drehbewegung zu erzeugen, Geschwindigkeit rauszunehmen und gleichzeitig die Richtung anzupassen.

Auf welche Weise beeinflusst lawinengefährdetes Gelände die Technik?

Wenn Du an einem Tag mit erhöhter Lawinengefahr fährst, solltest du lawinenanfälliges Gelände vermeiden. Wenn Du bei einem Hang Zweifel hast und diesen Hang nicht umgehen kannst, besteht die nächstbeste Taktik nach einer Umkehr darin, den Hang einzeln und möglichst leicht abzufahren.

Was meinst du damit?

Druckkontrolle. Wenn Du viel oder den gesamten Druck am Schwungende aufbaust, führt das zu einer starken Belastung der Schneedecke an diesem Punkt. Wenn Du den Druck im Schwung gleichmässig verteilen kannst, verteilt sich der Druck gleichmässiger auf die Schneedecke. Aber trotzdem ist es am besten, an Tagen mit erhöhter Lawinengefahr lawinengefährdetes Gelände zu meiden.

Gilt dies auch für meine Kantenwinkel?

Ja. Je weniger Du aufkantest, desto geringer ist der Druck entlang der Kanten und desto besser verteilt sich die Belastung auf die Schneedecke unter deinem Ski. Vergiss nicht, dass diese Herangehensweise zum Notfallrepertoire gehört. Dennoch, je leichter und flüssiger Du auf Deinen Ski unterwegs bist, desto geringer ist die Gefahr, dass du eine Schwachstelle in der Schneedecke verletzt.

—Interview by Jeff Burke


Jessica Baker hosts a women’s only backcountry ski clinic in early February. You can find more info here.

Exum Guides hosts the ultimate 3-day Ski Mountaineering clinic in the Tetons every winter. For more information visit: http://exumguides.com/ublminxportfolios/ski-mountaineering-clinic/


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