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Black Diamond-Athlet Antte Lauhamaa berichtet über die 10 wichtigsten Erkenntnisse aus seinem Leben als Lawinenforscher

Friday, März 6, 2020
Der finnische Lawinenforscher und Black Diamond-Athlet Antte Lauhamaa geht die Liste der 10 wichtigsten Erkenntnisse durch, die er stets im Hinterkopf behält, wenn er im Backcountry unterwegs ist.
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Photos: Courtesy of Antte Lauhamaa

Schnee ist nicht nur eine weiße, kalte Decke aus flauschigem Material, die den Boden bedeckt. Schnee ist fast mit lebenden Kreaturen vergleichbar, da er sich nach seiner Geburt in der Atmosphäre ständig verändert. Ich habe seit meiner Kindheit jeden Winter im Schnee verbracht, und je älter ich werde, desto mehr respektiere ich diesen schlafenden weißen Löwen. An einem guten Tag bringt er uns ein Lächeln und unvergessliche Erinnerungen, aber an einem schlechten Tag hat er das Potenzial, alles, was für uns wertvoll ist, in Sekundenschnelle zu zerstören.

 

In einer perfekten Welt wären wir in der Lage, den Schnee bei allen Bedingungen so gut einzuschätzen, dass wir bei unseren Entscheidungen unterwegs in den schneebedeckten Bergen hundertprozentig sicher sein könnten. Wir könnten wie Mathematiker Berechnungen über die aktuellen Schneebedingungen anstellen und dann eine genaue Gleichung erhalten, die uns sagt, ob es sicher ist, einen verschneiten Hang zu befahren oder nicht. Das ist ein schöner Traum, da wir Menschen gerne einfache und genaue Antworten auf Dinge erhalten, die unser Leben beeinflussen.
Leider gibt es so viele Variablen, die sich auf eine zu Boden gefallene Schneeflocke auswirken, dass es unmöglich ist, genau zu berechnen, wie sie sich verhalten wird, wenn wir sie mit unseren Skiern oder Füßen belasten. Wir müssen also lernen, mit der Unsicherheit zu leben, und das versetzt uns in eine Welt voller Risiken und des Umgangs mit ihnen.
Die menschliche Entscheidungsfindung ist das Wichtigste, wenn es darum geht, Lawinenunfälle zu bewerten und das Risiko zu managen. Ein relativ einfacher Weg, um zu verstehen, wie Fehler vermieden werden können, besteht darin, sich die gemachten Fehler anzusehen und zu versuchen, sie nicht zu wiederholen.
Todd Guyn stellte 2016 eine Liste mit 10 Fehlern für Lawinenexperten vor. Die Liste wurde auf der Grundlage professioneller Einsatzzwecke erstellt, aber sie ist sehr wertvoll für alle, die in lawinengefährdetem Gelände unterwegs sind. Ich habe die ursprüngliche Liste für den Freizeitgebrauch ein wenig vereinfacht und möchte sie dir für deine nächsten großen Entscheidungen mit auf den Weg geben:

HÄUFIGE FEHLER, DIE MENSCHEN IM LAWINENGEFÄHRTETEN GELÄNDE MACHEN:

  1.  Versäumnis, den Ort an die aktuelle Gefahrenlage anzupassen. Passe die Geländewahl an die Gefahrenlage an.
  2. Normalerweise kannst du die Lawinenwarnstufe bei der örtlichen Lawinenvorhersage erfragen.Ungeduld bezüglich der aktuellen Bedingungen. Schnee ist nach einem Sturm für gewöhnlich recht launisch, also gehe nach starkem Schneefall nicht gleich in das steilste Gelände. Ein Sprichwort zur Erinnerung – wenn Zweifel bestehen, warte mindestens 24 Stunden!
  3. Der Versuch, mit allen Mitteln eine Lösung bei Lawinengefahr zu finden. Wenn Lawinengefahr besteht, ist es am einfachsten, das richtige Terrain für die jeweilige Gefahrenlage zu finden. Dies kann auch bedeuten, dass manchmal der Rückweg nach Hause die klügste Option sein kann.
  4. Stark emotionsgesteuertes Handeln. Dein Gehirn arbeitet auf zwei Arten: der rationale Teil, der Informationen sammelt, um eine informierte Entscheidung treffen zu können, und der emotionale Teil, der im Grunde genommen faul ist und einfach nur Spaß haben möchte. Nimm deine Emotionen wahr, aber lasse dich nicht von ihnen kontrollieren. In Situationen mit einem hohem Risiko musst du fundierte Entscheidungen treffen.
  5. Informationsüberflutung. In unserer stark vernetzten Welt kann die Menge an Informationen schnell überhand nehmen. Das ist für jeden von uns eine schwierige Aufgabe, aber du kannst lernen, die notwendigen Informationen zu filtern, zum Beispiel in einem zertifizierten Lawinenkurs.
  6. Versäumnis, sensibel auf Veränderungen in der Umgebung zu reagieren. Wetter und Schneedecke sind eng miteinander verbunden, und selbst kleine Veränderungen können eine große Wirkung haben. Sei wachsam und beachte einen plötzlichen Temperaturanstieg oder die Änderung der Windrichtung und -geschwindigkeit.
  7. Die Gefahr, dass die Vertrautheit mit einer Gegend die Denkweise beeinflusst. Nur weil du seit 1976 jeden Winter in einem bestimmten Gebiet gewesen sind, ist es noch lange nicht sicher. Denke daran, dass sich alles um die vorherrschenden Bedingungen und das Gelände dreht.

 

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Über den Autor:

Black Diamond-Athlet Antte Lauhamaa ist Vater, Skifahrer und CAA AOL 2-zertifizierter Lawinenwissenschaftler. Antte lebt Lappland (Finnlands nördlichste Region) und arbeitet die meiste Zeit in den nordskandinavischen Bergen wie Lyngen und Finnmark in Norwegen sowie im schwedischen und finnischen Teil von Lappland.


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