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Gym. Crag. Repeat.

Wednesday, Oktober 10, 2018
Die Reise begann für Black Diamond-Athleten Carlo Traversi in der Kletterhalle. Heute, 15 Jahre später, schliesst sich der Kreis, indem er an den Ort zurückkehrt, an dem alles begann – als Betreiber einer brandneuen Boulderhalle in Sacramento. Aber Carlos Motivation besteht nicht einzig darin, eine Trainingsmöglichkeit mit anspruchsvollen Boulderproblemen zu bieten, er möchte etwas aufbauen, was er in all den Jahren häufig erleben durfte – einen gemeinsamen Ort, an dem sich Kletterer treffen, um zu trainieren oder einfach nur abzuhängen, aber auch um die ethischen Grundsätze zu vermitteln, die man beim Klettern am Fels beachten sollte. Seht Euch diesen Film an und begleitet Carlo auf seiner Reise von der Kletterhalle zum Fels und wieder zurück.
Video & Bilder: Bearcam Media

 

Ich fing mit dem Klettern an, als ich 14 war. Im ersten Sommer setzten meine Eltern mich und meinen jüngeren Bruder fast jeden Tag an der nächstgelegenen Kletterhalle ab, und manchmal verbrachten wir bis zu acht Stunden dort. Wir kletterten uns die Finger wund und spazierten dann zum Lebensmittelladen am Ende der Strasse oder zur Tankstelle, kauften uns dort etwas zum Essen, nur um anschliessend in die Halle zurückzukehren und dort noch mehr zu klettern. Wir waren besessen.

Auch meinen ersten Job hatte ich in der Kletterhalle, wo ich bei Geburtstagsfeiern Kinder sicherte. Als ich 16 wurde, durfte ich endlich eine Leiter benutzen und begann, Routen zu setzen. Eigentlich habe ich zwischen meinem 14. und 20. Lebensjahr in Kletterhallen gewohnt, zum einen aufgrund meiner Besessenheit, mich als Kletterer zu verbessern, aber auch, weil Kletterhallen und die Kletterszene sich wie mein Zuhause anfühlten.

Mit Mitte zwanzig eröffnete sich mir die Chance, mich aus der Kletterhalle zurückzuziehen und als Vollzeitprofi zu klettern. Mit der Unterstützung einer Reihe von grosszügigen Sponsoren hatte ich das Glück, all die faszinierenden Klettergebiete rund um den Globus zu besuchen, von denen ich jahrelang geträumt hatte. Ich reiste von Kontinent zu Kontinent, immer den kälteren Temperaturen des Winters hinterher, und genoss das Vagabundenleben.

Fast vier Jahre später begann mich jedoch das ständige Leben aus der Tasche zu belasten und ich tauschte einige meiner Freiheiten gegen einen Job und etwas mehr Stabilität ein. Ich wollte dennoch weiterhin mit dem Klettersport in Verbindung bleiben und fing wieder an, Routen zu setzen. Plötzlich verbrachte ich wieder so viel Zeit in Kletterhallen, wie schon seit Jahren nicht mehr. Aber irgendetwas fehlte, die Kletterhallen hatten sich verändert. Ich fühlte mich in der sterilen Umgebung der neuen, stark kommerzialisierten „Superhallen“ nicht mehr wohl.

 

Im Laufe des folgenden Jahres sammelte ich eine Reihe von Ideen, welche Art von Kletterhallenerlebnis ich einer neuen Generation von Kletterern bieten wollte. Sei es nun zum Guten oder Schlechten – heutzutage sammeln die meisten Leute ihre ersten Klettererfahrungen in der Halle. Und die Szene, in die sie dort eintauchen, beeinflusst ihren Kletterstil und ihre Einstellung über viele Jahre hinweg. Manche von ihnen finden den Weg nach draussen und ihre Wertschätzung und ihr Respekt gegenüber der freien Natur basiert auf dem Beispiel der Kletterszene und dem Mentoring, welches sie in den örtlichen Kletterhallen erfahren haben. Durch meine Erfahrung in beiden Welten – Indoor und Outdoor – wollte ich einen Weg finden, dieses Wissen zu nutzen, um eine grössere, bessere, stärkere, offenere, selbstbewusstere und respektvollere Klettergemeinschaft aufzubauen. Für mich war daher der logische Schluss, den Dreh- und Angelpunkt einer Kletterszene zu schaffen und zu betreiben ... eine Kletterhalle.

 

--BD Athlet Carlo Traversi


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