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#BDEmployees: Sasha Yakunin's Besteigung des Fitz Roy

Tuesday, Mai 7, 2019
Seitdem Black Diamond-Mitarbeiter Sasha Yakunin die epische Erzählung „Climbing Fitz Roy“ von Yvon Chouinard gelesen hatte, träumte er davon, diesen Berg eines Tages selbst zu besteigen. „Ein Traum ist wie ein Virus“, erklärt er. „Resilient und hochgradig ansteckend. Selbst die kleinste Ahnung eines Traumes kann zu wachsen beginnen. Sie kann wachsen und Besitz von dir ergreifen...“ Vor kurzem reiste Sasha in seinem Urlaub endlich nach Patagonien, um herauszufinden, ob der Fitz Roy seiner Träume so war, wie er ihn sich vorgestellt hatte.

Es ist 7:30 Uhr morgens und nach zwei Stunden Zustieg von La Brecha zum Fuße der Südwand des Fitz Roy sind wir perfekt aufgewärmt. Beim Zusammenpacken der Ausrüstung gehe ich in Gedanken nochmal das Topo der California-Route durch und versuche, mich zu fokussieren. Ein langer Tag liegt vor mir und es ist Zeit, in die Route einzusteigen. Wir müssen schnell sein und wir müssen los. Jetzt. Und in dem Moment, als ich meine Hände als Faustklemmer in den Riss der ersten Seillänge platziere, merke ich, wie sich ein unwillkürliches Lächeln auf meinem Gesicht ausbreitet und Elektrizität durch meine Adern fließt. So lange hatte ich auf diesen Moment gewartet und jetzt war es endlich soweit!

Images: Sasha Yakunin

Rückblickend war es ein weiter Weg bis zu diesem Augenblick. Mein Name ist Sasha und ich arbeite bei Black Diamond Europe in Innsbruck, Österreich. In gewisser Hinsicht wurde meine berufliche Laufbahn maßgeblich durch das Klettern beeinflusst. Ich fand es schon immer toll, einen Beitrag zur Klettergemeinschaft zu leisten und begeisterte Kletterer und Kletterinnen mit Weltklasseausrüstung zu versorgen. Ich begann vor 15 Jahren zu klettern und verliebte mich in die Klettergebiete meiner Heimat – die Krim in der Ukraine – und verbrachte dort so viel Zeit wie nur möglich. Ich erinnere mich daran, wie ich die faszinierende Odyssee „Climbing Fitz Roy“ von Yvon Chouinard las, die von diesem entfernten und vermutlich erfundenen Ort Patagonien handelte – auf dem Buchcover ein Foto von ihm in der Schlüsselseillänge einer von Raureif bedeckten Wand des Fitz.  Dieser Ort erschien mir so irreal wie eine Märchenwelt.

Im Laufe der Jahre, als ich ein Klettergebiet nach dem anderen auf meiner weltumspannenden Liste abhakte, wurde der Gedanke jedoch immer greifbarer und schließlich Wirklichkeit, als wir unsere mit Ausrüstung vollgestopften Rucksäcke an der Bushaltestelle im Staub von El Chalten absetzten. Ein Traum ist wie ein Virus. Resilient und hochgradig ansteckend. Selbst die kleinste Ahnung eines Traumes kann zu wachsen beginnen. Sie kann wachsen und Besitz von dir ergreifen, größer und stärker werden, bis du irgendwann begreifst, dass du schon die ganze Zeit, bewusst oder unbewusst, dein Leben wegen dieses Traumes in bestimmte Bahnen gelenkt hast. Für mich ist es noch immer einer der mystischsten und tiefgreifendsten Prozesse – zu erleben, wie ein Traum geboren wird, heranwächst und sich dann in einer realen Aktion unter Verwendung von materiellen Objekten wie Eisschrauben und Camalots manifestiert.

Aber abgesehen von diesen philosophischen Gedanken war es nun an der Zeit, den Berg zu besteigen. Rasch realisierten wir, wenn du in Patagonien klettern willst, musst du bereit sein groß zu denken. In Patagonien gibt es keine andere Größenkategorie außer RIESIG. Die Zustiege sind lang, der Höhenmetergewinn beträchtlich, die Routen anspruchsvoll, Bierflaschen starten bei 1 L und Kartoffelchips wiegen 1 kg pro Packung.

 

 

Die Auswahl der richtigen Strategie für eine Besteigung kann so wichtig wie die körperliche Verfassung sein. Auch das Wetter spielt eine große Rolle, da Patagonien für seine starken Winde und unerwarteten Stürme bekannt ist. Schönwetterfenster sind rar und kurz, daher ist es ratsam, alle Vorbereitungen bei schlechtem Wetter durchzuführen.

Unser Ziel war die California-Route am Fitz Roy. Wir begannen damit, die Gegend auszukundschaften und Ausrüstung am Paso Superior zu deponieren, was sich als zweitägige Mission entpuppte, bei der wir uns den Weg über einen Gletscher und tiefen Schnee bahnen mussten. Aber das war es wert. Auch wenn es zusätzliche Zeit und Kraft erfordert, erleichtert es die Begehung von hohen Bergen wie diesen beträchtlich. Das Hochgebirge bietet nicht nur faszinierende Ausblicke und atemberaubende Wände, sondern fordert in erster Linie Strategie und Disziplin. Nachdem wir unsere Ausrüstung und Biwaks in Paso deponiert hatte, warteten wir in El Chalten, wie die Löwen auf der Lauer, bereit, bei schönem Wetter anzugreifen. Als es endlich soweit war stürmten wir los, vom Dorf aus nach La Brecha de los Italianos, wo wir unsere Ausrüstung einsammelten, hinauf über 2000 Höhenmeter bis zur Südwand des Fitz Roy. Was in Patagonien als „Zustieg“ bezeichnet wird, könnte man andernorts bereits als eigene Kletterroute verbuchen; so bringt es schon eine eigene Befriedung, wenn dieser Teil vollbracht ist.

Am nächsten Tag, nachdem wir uns Kaffee und Fertigmenüs aus dem Beutel gekocht hatten, stiegen wir um 5.00 Uhr in La Silla ein und erreichten um 7.00 Uhr den vertikale Wandteil mit einem atemberaubenden Labyrinth aus weltbestem Granit, an manchen Stellen vollständig bedeckt mit Eis und Schnee. Wir kletterten zu Dritt, was effizienter und einfacher war als wir ursprünglich annahmen. Wir konnten das Gewicht unserer Ausrüstung auf eine Person mehr verteilen, und auch die Klettergeschwindigkeit litt nicht darunter, da der Vorsteiger mit zwei Halbseilen klettert und die beiden Nachsteiger auf diese Weise gleichzeitig nachgesichert werden können.

Nach etwa 14 Seillängen führt die Route über einen Grat und verbindet sich mit der Supercanaleta-Route den Südgrat hinauf. Die Kletterei ist in keinem Abschnitt extrem schwer und führt über abwechslungsreiche Stufen, einige breite Risse und hält wegen der Schnee- und Eisablagerungen in den Rissen auch ein paar herausfordernde Passagen bereit. Ganz gleich, wo du dich in der Route befindest – der Ausblick ist ungeheuer dramatisch, da die Linie genau über dem Torre-Tal und dem Hielo Continental hinaufragt, der sich in endloser Weite bis zum Horizont erstreckt, während der Gletscher im Hintergrund still Wache hält. Es ist schwer, sich einen epischeren Ausblick vorzustellen, das den vom Gipfel des Fitz Roy, wenn dir das Wetter die Chance gibt, weiter als nur bis zu deiner Nasenspitze zu sehen. 

 

Wir hatten ein wenig Mühe, auf dem Grat den richtigen Weg zu finden, mussten abseilen, queren und erneut hinaufklettern... Vermutlich kletterten wir unsere eigene Variante von diesem Routenabschnitt. Obwohl wir uns wohl fühlten und viel Spaß beim Klettern hatten, wurde uns beim Beobachten der Sonne, die dem Horizont immer näher kam, bald klar, dass wir eine Nacht in der Wand verbringen mussten. Aber wir freuten uns darauf und dachten fälschlicherweise, dass wir gut darauf vorbereitet waren. Die Nacht war eisig und wir hatten nur einen Schlafsack für uns drei. Wir bauten eine Art Bank, legten unsere Rucksäcke und Seile darauf und rückten mit dem Schlafsack um unsere Schultern gewickelt so eng zusammen, wie wir es normalerweise nur mit unseren Freundinnen tun würden.

Zweifellos ist ein Sonnenaufgang in der Wand willkommener als der Sonnenuntergang. Die ersten Sonnenstrahlen auf deiner Wange nach einer windigen Nacht fühlen sich an wie eine Umarmung von Mutter Natur, voller Liebe und Zärtlichkeit, und geben dir neue, wärmende Energie, die dein Körper in dieser Form nicht aufbringen konnte. Als wir den Nachtfrost endlich abgeschüttelt hatten, kletterten wir die letzten 300 Meter über eine phänomenale, von Raureif überzogene Passage, die wie ein gigantischer, vom Morgenlicht überfluteter 3D-Spiegel aussah... und erreichten den Gipfel. Ich erinnere mich, wie ich dort stand und darauf wartete, etwas ganz und gar besonderes und außergewöhnliches zu empfinden und versuchte, mir jeden Atemzug und jeden Moment einzuprägen. Doch zu meiner Überraschung geschah nichts dergleichen. Nur ein ruhiger Gedanke: Das ist es nun.

Es ist wichtig, ein Ziel zu haben. Noch wichtiger aber ist der Weg, den du dorthin zurücklegst. Für mich geht es genau um diesen Weg, der lang und schwierig sein mag, um die Suche nach Antworten in deinem Inneren, um Selbstbestimmung und die Fähigkeit, dir das leidenschaftliche Feuer in deinen Augen zu bewahren und dich an genau diesem Leuchten in den Augen deiner Freunde zu erfreuen. Der Prozess der absoluten Synergie mit deiner Umgebung vermittelt dir eine Erkenntnis, die so klar ist wie das Eis auf dem Gipfel des Fitz Roy – dass du für Momente wie diesen lebst. Klettern ist unser Lebensstil. #liveclimbrepeat #bdemployees


--BD Employee Sasha Yakunin


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