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Wahrheit ist, Joe Grant zieht in die Berge aus mehr als nur zum Rennen. Und was er dort, hoch oben zwischen den zerklüfteten Gipfeln, entdeckt, nennt er Rhythmus. Zusammen mit dem Filmemacher und Kletterer Cheyne Lempe haben wir uns aufgemacht, um Joe in seinem Element zu erwischen – wie er sein Ding durchzieht und inmitten der Alpen diesen Rhythmus sucht. Viel Spaß.
Video: Cheyne Lempe; Bilder: Chris Parker; Worte: Joe Grant
Truth is, Joe Grant heads into the mountains for a lot more than running. And what he finds out there, high among the craggy peaks, is what he likes to call rhythm. With filmmaker and climber Cheyne Lempe, we set out to capture Joe in his element, doing his thing and searching for that rhythm, deep in the heart of the Alps. Enjoy.
Cheyne Lempe fragte mich nachdenklich: “Also … ähm … Alter … erzähl mir von diesem Gefühl, das du da oben in den Bergen bekommst … was fasziniert dich so daran?”
Wir saßen an einem Café in der Innenstadt von Chamonix an einem späten Sommernachmittag. Ich war total auf Koffein und etwas gestresst. Wir waren drei Tage zuvor im Tal angekommen, um einen Film über den Mt. Blanc zu drehen, aber aufgrund einiger unvorhergesehener Umstände mussten wir unser Ziel überdenken. Außerdem war mein verlorenes Gepäck immer noch nicht angekommen. Ich fing an, mich im Trubel der Hochsaison in den Alpen ein bisschen klaustrophobisch zu fühlen.
Cheyne hingegen schlürfte seinen Tee, scheinbar unbeeindruckt von den wenigen verbleibenden Tagen unserer kurzen Reise. Er schien auch nicht beunruhigt von der chaotischen Wettervorhersage zu sein, die für den Rest der Woche erwartet wurde. Ich wollte ihm darauf hinweisen, dass sich das Gefühl, nach dem er mich fragte, am besten durch seine momentane Gelassenheit ausdrückt – diese lockere, "go with the flow" Haltung, bei der die Dinge einfach so sind, wie sie sind. Genau diese Art von Leichtigkeit und entspannter Gemütsverfassung suche ich in den Bergen. Aber das Gespräch musste warten, denn ich bekam einen Anruf vom Flughafen, dass mein Gepäck endlich unterwegs sei.
Wir hatten uns auf den Dôme du Miage als unser neues Ziel geeinigt. Die Location wurde uns von ein paar lokalen Freunden empfohlen, die wussten, dass wir auf dem Mt. Blanc die spektakulären Aussichten finden würden, die wir uns erhofft hatten – aber ohne die Massen. Der Ort klang vielversprechend, aber selbst nach dem Anschauen von Fotos fiel es uns schwer, ein wirkliches Gefühl dafür zu bekommen, was uns erwartet, und die Chance auf gutes Wetter blieb trotzdem ungewiss.
Morgens sind wir etwas verspätet losgegangen und haben uns beeilt, all unsere Ausrüstung zusammenzustellen. Wir haben unsere Planung mit Vorsicht angegangen, da wir damit gerechnet haben, dass die Bedingungen auf dem Berg ziemlich tückisch werden könnten. Mit schweren Rucksäcken machten wir uns auf den langen, verschlungenen Aufstieg zum Refuge des Conscrits, unserem geplanten Basislager für das Shooting. Etwa eine Stunde vor Einbruch der Dunkelheit kamen wir an – völlig durchnässt vor Schweiß und erschöpft vom ganzen Trubel der letzten Tage.
Anstatt mich für die Nacht einzurichten, hab ich aber meine Tasche im Schlafsaal abgestellt, meine Laufschuhe angezogen und bin den Hügel hinaufgerannt. Es mag kontraintuitiv erscheinen, an einem bereits langen Tag noch mehr Mühe aufzubringen, und anfangs habe selbst ich an meinem eigenen Vorgehen gezweifelt.
Ich begann mit einem mühsamen Schritt, schwer, das Gewicht des Tages den Anstieg hinaufziehend.
Mein Atem war unregelmäßig und abgehackt, ganz passend zum Lärm eines geschäftigen Lebens. Doch ich konnte nur so lange kämpfen, bevor ich mich einer organischeren Form der Bewegung hingab – und mein Atem folgte. Die Anspannung begann sich aufzulösen, als ich entlang des Gletschers lief, der Wind im Rücken, während ich die Kupfer- und Stahltöne der Dämmerung in mich aufnahm. Meine Gedanken wurden flüchtig, als sich Anstrengung und Aufmerksamkeit begegneten. Und plötzlich, fast unerwartet, rückte alles scharf ins Blickfeld. Ich fühlte mich als Teil meiner Umgebung. Ich fand dieses Gefühl, den Rhythmus, und wusste, dass wir am richtigen Ort angekommen waren.
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